Simbach (mm). Was viele befürchtet hatten, ist am Montag, 26. Oktober Wirklichkeit geworden. Das Landratsamt ordnete ab Dienstag 0.00 Uhr einen zweiten Lockdown im Landkreis an. Grund dafür ist der hohe Inzidenzwert von über 200 Infizierten pro 100.000 Einwohnern.

Bei einer Pressekonferenz mit der bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml, erklärten Landrat und Ministerin das weitere Vorgehen. So ist das Verlassen der eigenen Wohnung ab Dienstag 0.00 Uhr nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen beispielsweise die Ausübung beruflicher Tätigkeiten, nötige Einkäufe, Arztbesuche, der Besuch bei Lebenspartnern, Sport und Bewegung an der frischen Luft allerdings nur alleine oder mit maximal einer zweiten Person. Die Verantwortlichen riefen eindringlich dazu auf, die Kontakte zu anderen Menschen auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren. „Vorsicht und Rücksicht ist das Gebot der Stunde. Je mehr wir uns jetzt an die Beschränkungen halten, umso schneller erhalten wir die Freiheit zurück“, rief Regierungspräsident Rainer Haselbeck die Bevölkerung auf.

Schulen, Kitas und Gastronomie geschlossen

Schulen und Kindertagesstätten werden geschlossen. Für Kinder, deren Eltern absolut keine Möglichkeit zur Beaufsichtigung haben (systemrelevante Eltern, Alleinerziehende), wird eine Notbetreuung eingerichtet.

Restaurants werden geschlossen – ein Abholservice ist weiterhin möglich. Hotels müssen ebenfalls schließen, außer für Übernachtungen für Geschäftsreisende.

Von Gottesdiensten wird abgeraten

Veranstaltungen jeglicher Art werden untersagt. Ausnahme sind Gottesdienste und Zusammenkünfte von Glaubensgemeinschaften, das Landratsamt rät jedoch dringend davon ab, Ansammlungen mit mehreren Menschen stattfinden zu lassen. Das betrifft auch das Allerheiligenfest am kommenden Sonntag. In den meisten Gemeinden war schon geplant eine Segnung durch die Priester vorzunehmen, den Besuch aber individuell einzuplanen. Das Landratsamt rät, den Gräberbesuch auf andere Tage zu planen. Das Bistum Passau wird von dieser dringenden Empfehlung unterrichtet.

Freizeiteinrichtungen geschlossen

Sämtliche Einrichtungen, die der Freizeitgestaltung dienen werden geschlossen, hierzu zählen insbesondere Badeanstalten, Thermen, Kinos, Museen, Theater, Sporthallen, Sport- und Spielplätze, Fitnessstudios, Vergnügungsstätten, Tanzschulen, Musikschulen, Märkte (ausgenommen Wochenmärkte) etc.

Untersagt ist der Betrieb von Hotels und Beherbergungsbetrieben und die Zurverfügungstellung jeglicher Unterkünfte zu privaten touristischen Zwecken. Hiervon ausgenommen sind Hotels, Beherbergungsbetriebe und Unterkünfte jeglicher Art, die ausschließlich Geschäftsreisende und Gäste für nicht private touristische Zwecke aufnehmen.

Besuchsverbot im Krankenhaus

Besuchsverbote gelten in Krankenhäusern sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen (ausgenommen sind Geburts- und Kinderstationen für engste Angehörige sowie Palliativstationen und Hospize), vollstationäre Pflegeeinrichtungen, Altenheime und Seniorenresidenten, ambulant betreute Wohngemeinschaften und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen.

Die Maskenpflicht auf den bereits bestimmten Plätzen gilt fort. In Simbach ist dies der Bahnhof, der Busbahnhof, der Kirchenplatz (hier gilt auch Alkoholverbot).

Lockdown vorerst bis 5. November

Diese Maßnahmen gelten zunächst für zehn Tage ab 27. Oktober bis einschließlich Donnerstag, 5. November. Anfang nächster Woche wird entschieden, ob der Lockdown verlängert wird.

Teststation in Simbach

Wie konnte es zu den explodierenden Zahlen kommen? Diese Frage beschäftigt die Landkreisbürger. Laut Landrat Michael Fahmüller waren die ersten Hotspots das Asylheim in Simbach sowie die Betreuungseinrichtung der Congregatio Jesu. Die Ausbreitung dürfte nach Einschätzung von Dr. Müller vom Landratsamt hauptsächlich durch Kinder der Asylunterkunft über die Schulen verbreitet worden sein und auch die Grenzlage zu Österreich wurde mehrmals als Verursacher vermutet. Wenn auch die Nachverfolgungen auf Hochtouren laufen, gibt es keine weiteren speziellen Hotspots. Mittlerweile sind im ganzen Landkreis alle 31 Gemeinden mit hohen Werten betroffen. „Österreich hat die Situation nicht so streng gesehen“, bestätigt Landrat Michael Fahmüller und sieht hier eine der Hauptursachen.

Nachdem ab sofort vor allem berufliche Österreich-Pendler wöchentlich einen negativen Coronatest vorlegen müssen, wird in Simbach eine Teststation errichtet, die eine Kapazität von 500 Testungen pro Tag hat. Laut Gesundheitsministerin Melanie Huml werden die Kosten von der Regierung übernommen. Eine Grenzschließung wie im ersten Lockdown will sie verhindern.

Unterschiedlicher Inzidenzwert

Die Ursache für unterschiedlich kommunizierte Inzidenzwert sieht Landrat Fahmüller in den unterschiedlichen Meldezeiten. Zu Einschränkungen von beruflicher Tätigkeit gibt es keinen Anlass, betont der Landrat. In die Arbeit gehen: ja – danach Feiern: nein.

Die Kapazitäten in den Krankenhäusern sind noch vorhanden und durch Aufstockung des Personals im Landratsamt werden die Infektionsketten bestmöglich nachverfolgt.

„Wir sind uns alle bewusst, dass diese Entscheidung eine Belastung für die Wirtschaft, die Menschen sowohl finanziell als auch physisch ist“, betont Landrat Michael Fahmüller, doch es heißt entschieden zu handeln um noch Schlimmeres zu verhindern.